Erfahrungsberichte

Dr. Werner Scheck & Dr. Jochen Duchow
Kibogora-Hospital, Ruanda

September 2018
Abflug in Frankfurt, über Brüssel nach Kigali. Flug komfortabel, ausreichend Lektüre und Filmprogramm an Bord. Ankunft spät am Abend in Kigali, die Einreise verläuft problemlos, erwartet werden wir von einem Fahrer des 5to5 Hotels. Durch die Nacht geht es durch den regen Verkehr zum nahe gelegenen Hotel. Dort essen wir zu Abend und gehen nach einem Bier schlafen.

Am nächsten Morgen erwarten wir den Fahrer vom Krankenhaus um neun Uhr. Kurz vorher erreicht uns eine E-Mail von Julie, die uns mitteilt, dass es bei der Übergabe Probleme gegeben habe. Neuer Zeitpunkt 13:00 Uhr. Wir machen uns auf zu einem dreistündigen Spaziergang in die Umgebung des Hotels und erkunden Kigali zu Fuss. Um eins ist der Fahrer dann da und es geht los nach Kibogora. Die sechsstündige Fahrt führt durch das schöne Umland von Kigali, wir sehen zum ersten Mal den Kivusee und kommen bei einbrechender Dunkelheit in Kibogora an.

In der Mission empfängt uns Julie, zeigt uns unsere Unterkunft und erklärt alles notwendige. Da Werner vor sechs Jahren schon mal vor Ort war, weiß er im Wesentlichen schon über die Abläufe Bescheid. Eigentlich sollte uns Doktor Ronald eine Übergabe machen, der sei aber mit einem Notfall im OP. Wir nutzen die Gelegenheit und gehen noch am Abend ins Krankenhaus und treffen Ronald im OP. Er operiert ein siebenjähriges Kind mit perforiertem Appendix, leider in schlechtem Zustand (septischer Schock). Das Kind wird in der Nacht versterben.

Unsere Unterbringung in der Mission ist hervorragend. Wir haben ein eigenes kleines
Häuschen mit Terrasse, von dort Blick auf den See, große Bäume umgeben uns. Wir
beobachten die vielen Vögel und bewundern den Pflanzgarten. Versorgt werden wir von den Damen der Mission, die frühmorgens jeden Tag das Frühstück vorbeibringen und, da wir keine regelmäßigen Essens-Termine einhalten können unser Essen im Kühlschrank deponieren. Die Verpflegung ist reichlich. An einigen Tagen setzen wir den Nachschub aus, damit wir das von den Vortagen übrig gebliebene aufbrauchen können. Am folgenden Morgen nehmen wir sowie auch an allen weiteren Tagen um sieben Uhr am Gottesdienst und der anschließenden Frühbesprechung teil. Wir stellen uns vor, die Aufnahme ist sehr herzlich. Uns zugeteilt wird Intern Josef, ein junger Arzt im ersten Jahr nach Studienabschluss. Er soll uns in den kommenden zwei
Wochen begleiten und übersetzen.

Gleich am ersten Tag versorgen wir einige tagealte Unterarm-Frakturen. So können wir uns an die OP Gegebenheiten gewöhnen. Während das Anästhesie Team sehr effizient agiert, ist die OP-Pflege etwas unorganisiert und immer dann, wenn wir nach Implantaten fragen, werden erst mal die Schultern gezuckt. Wir machen uns deshalb über die gepackten Siebe her, um zu prüfen, was wo vorhanden ist. Auch holen wir aus den Regalen mit unzähligen Platten, Schrauben, Fixateuren und Instrumenten Material, stellen insbesondere Fixateur-Sets zusammen und lassen das Ganze sterilisieren. In den folgenden Tagen bewährt sich diese Maßnahme, da wir dadurch auch mit wechselnder Besetzung der OP-Pfleger selbst wissen, welches Material zur Verfügung steht. Am zweiten Tag vor Ort ist Sprechstunden Tag. Gemeinsam mit Josef sehen wir viele einbestellte Patienten, ganz unterschiedliche Fälle, zum Teil Kontrollen nach Osteomyelitis.

Die Sprechstunde findet direkt neben der Röntgenabteilung statt. So lernen wir rasch, dass die beiden Röntgenassistenten für uns die wichtigste Informations-Quelle werden: Sie sind beide sehr engagiert und wissen über die aktuellen Fälle Bescheid, kennen auch viele Patienten aus der Vergangenheit und können auf das
Informationssystemen zurückgreifen. So werden wir uns in den kommenden Tagen immer wieder dort melden und fragen, ob es neue Fälle für uns gibt. Aus der Sprechstunde heraus füllt sich der OP Plan für die kommenden Tage, am Abend
versorgt Werner noch eine infizierte Wunde bei offener Unterarmfraktur, die bis dahin konservativ behandelt wurde.

Wir planen für den Folgetag die Versorgung mit einem Fixateur (der erstmal nicht steril ist). Anibiotika sind in ausreichender Menge vorhanden. Auch auf den Visiten begleitet uns Josef und stellt uns die Patienten vor. Rasch wird klar, daß Verbandsmaterial Mangelware ist. Die Verbände werden recht „flapsig“, mit einer Hand die Krankenakte haltend, mit der anderen wickelnd im Bett abgenommen, die Wunde inspiziert und anschließend das ganze wieder angelegt. Wie wichtig war es, dass uns Michael Weber eine ganze große Reisetasche mit Mullbinden und sterilen Kompresson mitgegeben hat! Demgegenüber ist die ganze Hardware, die wir dabei haben (Platten, Schrauben, Instrumente) eigentlich unnötig und bereits in unüberschaubarer Menge und Mischung vorhanden. Leider fehlt auch Desinfektionsmittel. An manchen Tagen können wir uns deshalb nur mit Seife einwaschen. Oft geht ein OP Pfleger zwischenzeitlich los und organisiert welches.
Neu für uns ist der vor Ort vorhandene SIGN-Nagel, ein für die Entwicklungsländer
speziell entwickeltes Implantat. Wir sind beide fasziniert von der Einfachheit des Systems. Zwar können wir den Bildwandler im OP zur Frakturversorgung nutzen, grundsätzlich wäre eine Versorgung aber auch ohne Bildwandler möglich. Zum Teil sind wir erstaunt, dass akut Verletzte nicht gleich versorgt werden, sondern nach
der stationären Aufnahme erst mal mit Verband versorgt und ins Bett gelegt werden.
So finden wir während unseres Aufenthaltes immer wieder mal ein Kind mit einer Fraktur, das seit einem Tag mit einer Schiene aus Karton herum läuft (trotz erheblicher Fehlstellung und Schmerzen) oder einen älteren Mann mit tiefen Fleischwunden nach einem tätlichen Angriff mit einer Machete, der seit einem Tag ohne Wundversorgung auf Station verbringt. Anfänglich sind Teile der Belegschaft erstaunt, dass wir am frühen Abend noch gewillt sind, Kinder mit dislozierten Frakturen zu versorgen und auch darauf drängen.

Erfreulicherweise sind insbesondere die Anästhesisten sehr bemüht und kooperativ und ermöglichen so eine zeitnahe Versorgung. In der zweiten Woche haben wir an einem Nachmittag ab 16:00 Uhr alle Arbeit erledigt – ungewohnt für uns, aber wir freuen uns auf 2 Stunden Helligkeit zum Lesen und Gitarrespielen im Garten mit Blick auf den See. Aber Josef kommt und die Ecke und berichtet über drei Notfälle in der Ambulanz. Diese stellen sich heraus als Patienten mit offenen Unterschenkelfrakturen – ein Patient hat zusätzlich eine geschlossene Oberschenkelfraktur. Nach einer Not-Sektio können wir anfangen und sind froh über unsere zusammengestellten Fixateur-Sets. Um 3:00 Uhr nachts sind wir fertig, am Folgetag verpassen wir erstmals den Gottesdienst. So verbringen wir unsere Tage eigentlich ausschließlich mit der Arbeit in der Klinik, nur am Wochenende haben wir Zeit für Ausflüge in die Umgebung.

Am freien Samstag fahren wir mit einem Fahrer der Mission in den eine Stunde entfernten Nyungwe-National Park und machen die Wanderung zum Wasserfall. Am folgenden Sonntag dann eine ausgedehnte Wanderung zu der zur Mission gehörenden Halbinsel am Ufer des Sees. Ganz nach dem Motto“der Weg ist das Ziel“verlaufen wir uns mehrfach, erleben aber unterwegs einiges mit den Menschen die uns begegnen und uns weiterhelfen. Zu guter letzt werden wir von einem Mann mit auf seine Insel genommen, lernen seine Familie kennen und er bringt uns mit einem extra organisierten Boot zur Halbinsel, (wo Julie auf uns bereits wartet).

Auch in den letzten Tagen unseres Aufenthaltes haben wir viel zu tun. Wir sehen noch
einige Patienten, denen wir hätten helfen können, wenn wir im Vorfeld von ihren Fällen Kenntnis gehabt hätten (z.B. Klumfüsse). Wir behalten das für ein mögliches Wiederkommen im Hinterkopf. Am letzten Abend erstellen wir eine Liste mit allen von uns operierten Patienten, um Ashley und Klemens zu informieren. Erfreulicherweise kann ich Ashley per whatsapp erreichen und mit ihm über die Lage vor Ort sprechen. Bereits im Vorfeld hatten wir den Beiden mitteilen können, woran es vor Ort am meisten mangelt. Leider kommt der Tag des Abschiedes. Wie vereinbart holt uns unser Fahrer am Mittag in der Mission ab und bringt uns den langen Weg zurück nach Kigali. Zunächst fährt er zum Hotel, ist dann erstaunt, dass wir zum Flughafen wollen. Aber am Ende alles kein Problem, die Rückreise treten wir, wie geplant, mit dem Flug nach Brüssel an. Zusammenfassend waren wir uns einig, dass uns der Aufenthalt in Kibogora gut gefallen hat und wir viel Neues gelernt und Interessantes erlebt haben. Die Menschen waren ganz überwiegend sehr freundlich und dankbar, wie immer gab es interessierte, gewissenhafte, willige und andererseits phlegmatische, antriebslose. Die wichtigsten Gesprächspartner vor Ort haben sich alle verabschiedet und gefragt, wann wir wiederkommen. Das hat uns sehr gefreut!

Natürlich gibt es einige Dinge, die wir, falls wir nochmals nach Kibogora fahren können, besser und anders machen würden: Einerseits die Vorbereitung unsererseits auf die erforderlichen Operationsverfahren vor Ort (zum Beispiel Korrektur von Klumpfüßen, Versorgung der Osteomyelititis), andererseits die Vorbereitung vor Ort durch gezielte Einbestellung von Patienten, die von einer Behandlung durch uns profitieren können. Möglicherweise könnte das Internet hier hilfreich sein.
Für die Ermöglichung dieser Reise sind wir allen Beteiligten, allen voran Michael Weber, sehr dankbar. Frau Gerlach danken wir für die perfekte Organisation.

Murakoze
Werner Scheck und Jochen Duchow

Dr. Iris Schleicher & Dr. Reiner Wirbel
St. Gabriels-Hospital, Malawi

Sa, 01.09.2018
Hinflug über Addis Abeba einigermaßen problemlos. 3 Stunden in Addis waren ok. Nachtflug wenig Schlaf, Essen mittelmäßig.

So, 02.09.2018
Trotzdem wir bereits über die Einreisemodalitäten von Michael und Erich wussten, zog sich das über 1 Stunde hin. Hatten schnell das Formular ausgefüllt, dann aber Warten am Schalter für den Stempel, danach beim Bezahlen, dann beim Einkleben und zum Schluss noch ewig bei Passkontrolle. Harold, der Fahrer vom Hospital holte uns ab, wir tauschten noch Geld und kauften ein paar Lebensmittel im Supermarkt auf dem Weg. Leider hatten wir vergessen, bei Airtel (der malawenischen Telekom) am Flughafen vorbeizuschauen, aber Harold sagte uns später, die hätten sonntags sowieso zu. Sind im Surgeons-Guesthouse untergebracht. Wirkte relativ schmutzig, Betten waren nicht frisch bezogen und Licht funktionierte nicht. Haben erst mal Spaziergang in der Umgebung gemacht, beim Rückweg sind wir dann im Zita-Haus vorbei gegangen. Dort haben wir Katrin, eine deutsche Ass.-Ärztin in pädiatrischer Weiterbildung, die 6 Wochen hier ist, kennengelernt. Sie war etwas desillusioniert, gab uns allerdings Bettwäsche von dort mit. Fühlten uns irgendwie verloren.
Später kam Bintoni, der Koch vorbei. Wir vereinbarten, dass er morgen für uns einkaufen geht und ab morgen Abend auch kocht. Dann kam tatsächlich noch ein Elektriker, der das Licht wieder zum Laufen brachte. Er stellte uns auch unseren Security-Mann vor, der ab Dunkelheitseinbruch wie ein Schatten in einer Ecke steht. Leider noch kein Internet. Bier hätte gut getan… 

Mo, 03.09.2018
Bintoni kommt vorbei, wir geben ihm 60000 Kwacha zum Einkaufen.
7:30 Morgentreffen. Die diensthabenden Schwestern berichten von Neuaufnahmen. Dr. Mbeha stellt uns vor. Darwin zeigt uns das ganze Hospital. HDU (High dependency unit),  Labour ward, Private wing, male surgical ward, female surgical ward, big pediatric ward, outpatient clinic wo alle Patienten triagiert werden und in die entsprechenden Ambulanzen geschickt werden. Gipsraum, Raum für minor surgery, OP. Lernen Dr. Peter Nietzsche (Gastroenterologe) kennen, verabreden für heute Abend afrikanisches Essen in einem Restaurant zusammen mit Katrin und Marina, einer luxemburgischen Hebamme. Danach ward round (Visite). Heute im OP 2 Kleinkinder mit Hernie, eines davon wurde jedoch gefüttert und wird auf morgen verlegt. Dann somnolenter 13 jhg. mit V.a. Ileus, der mit akutem Abdomen apratomiert wurde. Darwin operierte beides, Reiner assistierte. Schauten uns die Siebe an und auch den Store Room 15. Viele Instrumente… teilweise nicht sortiert. Für morgen haben wir eine 14 jhg. mit Osteomyelitis der Tibia geplant, für übermorgen eine Muskellappen bei offener Tibiafraktur, die schon mit ext. Fixateur versorgt ist, der Knochen aber frei liegt. Evtl. Kommen dann noch diverse Debridements von Ulcera dazu. Mit dem Internet gestaltet sich echt schwierig. Seit diesem Sommer müssen sich alle bei Airtel registrieren. Die SIM-Karte, die ich in Namitondo gekauft habe, konnte ich gerade wieder entsorgen, da sie keine Registrierungsnummer hatte. Catryn, die Sekretärin half mir, mich zu registrieren, hat mir auch geholfen, ,,Bundels“ für Internet aufzuspielen. Trotzdem hat es bisher nicht funktioniert… Abends sind wir dann mit Peter, Katrin und Marina in den Nachbarort zu Dorothy gefahren, haben dort in simplem Steinraum für 3000 Kwacha (ca. 3,50 Euro) afrikanisch gegessen. Peter hatte einen Portwein mitgebracht. Es gab Ziegenfleisch, Chicken, Maisfladen, Reis und diverse Gemüse. War sehr authentisch. Der Sternenhimmel ist übrigens fantastisch, die Milchstrasse, Mars und Venus deutlich zu sehen. 

Di, 04.09.2018
Nach der Ward round operierte ich zusammen mit Reiner das 14 jährige Mädchen mit Osteomyelitis der Tibia. War sehr mühsam, die sehr sklerosierte Tibia mit stumpfen Meiseln zu eröffnen. Regina und Darwin gaben sich sehr viel Mühe, uns alles zu beschaffen, was wir brauchten, aber das einzige Elektrokautergerät war zuvor bei einem Notfall verwendet worden und akkubetriebene Säge gibt es nicht Wir hatten uns am Tag zuvor schon die Siebe zurechtgelegt und kamen so auch ganz gut hin. Eröffnete fast die komplette Tibia, da insbesondere distal ein großer Knochenabzeß war. Leider hatten wir keine Antibiotikaketten mitgenommen, was wir nun bereuten. Konnten aber immerhin gut debridieren und mit Lavasept-ähnlicher Lösung spülen, so dass es zum Schluss sauber aussah. Der Vormittag war damit schon um und in den schweren Bleischürzen schwitzt man ziemlich, so dass die tägliche lange Mittagspause von 2,5h gut tat. Nachmittags assistierten wir Darwin abwechselnd 2 Leistenhernien. Catryn, die Sekretärin hatte sich nochmal der Telefon- und Internetgeschichte angenommen und nach nochmaliger Registrierung funktionierte abends dann endlich alles! Wir gingen nach Feierabend in Namitondo in einer Bar Bier holen und setzten uns zum Sonnenuntergang in den Garten. Bintoni kochte ein Riesen-Mahl für uns mit sehr leckeren Frikadellen, Blumenkohl und Kartoffeln. Außerdem zeigte er sich so unzufrieden mit dem Zustand der Küche, dass er eine wahre Putzorgie begann und am nächsten Tag weitermachen wollte. Wir gingen abends noch auf ein Bier zu dem gynäkologischen Kollegen Dr. Flohr und seiner kenianischen Frau Katrin, die seit fast 3 Jahren hier sind. War ein schöner Abend mit interessanten Gesprächen. Wir erfuhren auch einiges über die Struktur des Hospitals und die Ärzte, die dort arbeiten. 

Mi, 05.09.2018
Bintoni kam morgens und putzte die ganze Wohnung blitzblank!!! Wir machten ward round, sahen diverse Fälle im Verbandszimmer und planten Ops für die nächsten Tage. Hätte gerne ein paar Deformitäten gesehen, aber bisher sind es v.a. bauchchirurgische und unfallchirurgische Patienten. Einige mit chronischen Wunden, die von einer Vakuum-Therapie profitieren würden. Wir planten Debridements bei manchen, bei anderen Hauttransplantationen, eine Kind mit Verbrennungen der gesamten Rumpfseite wollen wir weiter mit Flammazine-Verbänden behandeln. Im Op operierten wir vormittags einen Mann, der eine offene Unterschenkelfraktur erlitten hatte und vor ca. 2 Wochen mit einem Fix. ext. versorgt worden war. Leider lag der Knochen frei, so dass wir einen Gastrocnemiuslappen machten, etwas Knochen reserzierten und die Stellung verbesserten. Darwin kann selbständig dann später über den noch freien Arealen eine Hauttransplantation durchführen. Nachmittags kamen 2 Frauen in die Ambulanz mit starken Bauchschmerzen. Peter Nietzsche ist sehr gut im Ultraschall und bei einer Frau sah man eine große eingeblutete Zyste in der Leber, bei der anderen einen riesigen Tumor vor der Blase, der kurz vorm Perforieren war , kranial davon auch noch zusätzliche Eiteransammlung. Beide wurden nach Lilongwe zur weiteren Therapie verlegt und da Darwin damit viel zu tun hatte, machten Reiner und ich die beiden Nachmittags-Ops (Umbilikalhernie und chron. Abzess linker Trochanter). Der Abzess war schon perforiert und bestand anscheinend schon seit 5 Monaten. Die Faszie war offen und in der Muskulatur ein calcifizierter Tumor. Eine pathologische Untersuchung wird nur durchgeführt, wenn der Patient dies bezahlt. Ich entnahm eine Probe und wollte dies später mit dem Patienten besprechen. Bis wir fertig waren, war es nach 17 Uhr und man merkt dann schon, dass alle möglichst schnell heim wollen. Der Patient wurde einfach im Gang stehen gelassen, hatte zwar nur eine Spinalanästhesie, aber trotzdem lag er da mit weiten Augen in der Dunkelheit. Da niemand von der Station auftauchte, um ihn abzuholen, schob ich ihn mit dem diensthabenden Pfleger aus dem OP in die Station. Abends saß ich lange im Garten und dachte über diese andere Sphäre, die man hier betrachtet nach… 

Do, 06.09.2018
Stand um 5:30 auf und lief in der Morgendämmerung eine kleine Runde ums Dorf. Um diese Zeit ist alles noch ruhig und nur wenige Menschen unterwegs.
Leider ist der Patient, dem wir morgen eine große Hauttransplantation am rechten Unterschenkel nach ursprünglicher Cellulitis machen wollten, abgehauen. Das kommt wohl öfters vor. Der Junge mit dem geschwollenen US von gestern, bei dem wir eine Osteomyelitis angenommen haben, hatte im Röntgenbild keinen V.a. diese und war gestern in der Ambulanz noch inzidiert worden, wobei sich Eiter entleerte. Er ist noch stationär und bekommt Antibiose. Ein erschütternder Fall ist auch ein Mädchen aus Zambia, das nach mehrfachen Bauch-OPs eine Dünndarmfistel hatte und komplett unterernährt war. Die Anlage eines Stomabeutels klappte erst beim 2. Mal und nun wird versucht, das Kind irgendwie erst mal zu ernähren. Im OP operierten wir einen Mann mit DA-Fraktur, die ca 1 Woche alt war (Plattenosteosynthese). Dann kam Darwin in den OP und ich assistierte ihm Entfernung von ESINs am Femur und Reiner eine Sekundärnaht am Abdomen. In der Ambulanz waren in der Zwischenzeit 3 Frakturen aufgetaucht (Ellbogenluxation von vor 1 Woche, dist. Radiusfraktur bei 16jhg. und suprakondyläre Humerusfraktur bei 4 jhg. ) Also war der Nachmittag gefüllt. Nach der üblich langen Mittagspause, die wir wieder im Garten sitzend verbrachten, führten wir erst die geschlossene Reposition der 1 Woche alten Ellbogenluxation durch. War ziemlich schwierig und wir waren kurz davor, offen zu reponieren. Der Mann ist Alkoholiker und daher legten wir für 3 Wochen eine Gipsschiene an. Danach assistierte Reiner Darwin die distale Radiusfraktur und zeigte ihm die Kapandji-Methode. Interessant war, wie Darwin aus 1 K-Draht 3 herausbekam und die auch noch per Hand einbrachte. Gingen danach nach Namitondo, um Wasser zu kaufen. Es war Markt und unzählige Kleidungsstücke , kleine Fische und Süßkartoffeln wurden hauptsächlich angeboten. Die Männer spielten ein Brettspiel, dass wie die afrikanische Version von Backgammon aussah. Bitoni kochte wieder köstlich – Chicken mit einer Tomatensoße und Reis und Gemüse.

Fr, 07.09.2018
Nach der ward round teilten wir uns aus. Ich blieb in der Ambulanz, weil ich auch die ganzen Wunden mal sehen wollte. Reiner ging mit in den OP und assistierte Darwin die suprakondyläre Fraktur in geschlossener Technik, was für Darwin neu war, da er sie sonst immer offen operierte. Danach assistierte ich ihm noch eine Biopsie bei einer 38 jhg. Frau mit geschwollenem Bein. Sie war zuvor in Lilongwe im Krankenhaus gewesen und hatte dort eine Biopsie in LA erhalten, die nur Fettgewebe erbrachte. Im US jetzt V.a. Tumor. Intraoperativ sah es wie eine Sarkom aus, in der Thoraxaufnahme sind bereits Herde in der Lunge zu sehen. Wie traurig für die Patientin! Danach noch eine Leistenhernie von letzter Nacht. Bei den Verbandswechseln half mir ein Helfer namens Christopher, der auch versuchte, zu übersetzen. Der Muskellappen sieht ganz gut aus, auch die Wunde von dem Mädchen mit der OM der Tibia. Die Frau, bei der es postoperativ zu einem Infekt einer vor ca. 4 Wochen durchgeführten Osteosynthese des Sprunggelenkes gekommen war und das Metall bereits letzte Woche entfernt worden war, sah die Wunde schlechter aus und bei dem Verbrennungskind geht es nicht richtig vorwärts. Auch der Patient mit dem Abzess am Trochanter, den wir vorgestern operiert haben, zeigt weiterhin Sekretion, die Drainage hatte sich der Patient selber gezogen und für die Untersuchung der intraoperativ entnommenen Probe hat er kein Geld. Das Kind aus Zambia muss dorthin zurück, leider hat die Mutter immer den Stomabeutel komplett abgezogen, wenn er voll war und nicht gewechselt. Das Handling wird ihr nochmals erklärt. Nachmittags ging Reiner in den OP und ich mit Yani, einer der clinical officers zu einem Verbandswechsel von Druckulcera an beiden Trochanteren bei einer schwerstkranken Patientin auf der Palliativstation. Diese Station ist erstaunlich würdevoll und wie so häufig bin ich doch berührt, wieviele Personen aus Familie oder Freundeskreis den Patienten zur Seite stehen. Ein Mann mit akutem Abdomen und freier Luft in der Röntgenaufnahme kam in die Ambulanz und Darwin operierte. Da es keine sterilen Kittel und Abdecktücher gab ( schon heute Vormittag waren die klatschnass gewesen), holte ich noch von mir mitgebrachte sterile Einmalkittel und wir bastelten daraus auch die Abdeckung. Improvisation ist alles! Es war eine Magenperforation. Schon erstaunlich, wie gut das Darwin schon kann, obwohl er erst 1 Jahr nach seinem Studium ist! Abends T-Bone-Steak mit selbstgemachter Tomatensauce und Pommes Frites von Bitoni und morgen geht es in aller Frühe nach Liwonde zum Nationalpark!

Mo, 10.09.2018
Heute war in der Besprechung die Diskussion über ein totgeborenes Kind, Dr. Mbeha kritisierte relativ hart den auf Labour ward verantwortlichen Pfleger. In der Nacht war ein ·un er Mann mit beidseiti en Unterschenkelfrakturen gekommen. Wir wollten beidseitig einen Tibianagel einbringen und suchten uns im Room No 15 die entsprechenden T2-Tibianägel und Schrauben raus. Das Sieb für die Tibianägel ist im OP und wurde auf Vollständigkeit geprüft. Bin gespannt, wie es morgen klappt. Heute half Reiner vormittags Darwin bei einer Leistenhernie und später bei einem verwachsenen Bauch. Ich war vormittags in der Ambulanz und half bei diversen Verbandswechseln und sah ambulante Patienten. In der Ambulanz ist es zwar möglich, relativ steril zu arbeiten und es ist auch immer ein Helfer dabei, aber septische und aseptische Patienten werden im selben Raum in beliebiger Reihenfolge behandelt, was ich durchaus kritisch finde. Mattwes, einer der clinical officers, macht sehr viel selbständig, auch kleine chirurgische Eingriffe. Aber dass ein Knie punktiert wurde, wo zuvor noch ein septischer Verbandswechsel durchgeführt wurde, fand ich doch sehr kritisch. In der Mittagspause haben wir einen Spaziergang zum nahegelegenen Damm gemacht und nachmittags suchten wir die Instrumente und Implantate für morgen zusammen und schauten uns Ambulanzpatienten an ein Kind mit Tibiafraktur und ein weiteres mit Radiusfraktur therapierten wir konservativ und legten einen Gips an. 

Di, 11.09.2018
Heute morgen operierten wir also dann den 18 jhg. mit beidseitiger Unterschenkelfraktur. Wir lagerten beide Beine in Göbelstützen und legten uns alle Implantate, Schrauben und Instrumente zurecht. Links begannen wir, konnten leider aber die Fraktur nicht geschlossen reponieren, sodass ein offenes Vorgehen mit Repositionszangen notwendig war. Damit konnte dann der Nagel, den wir Gott sei Dank vom Durchmesser kleiner als im Röntgen ausgemessen gewählt hatten, unaufgebohrt einbringen. Die proximale Verriegelung machten wir mit einer Schraube vom Durchmesser 5.0mm, für distal gab es leider nur solche von Durchmesser 4.0.Dafür war kein Bohrer auf dem Sieb, sodass wir ein weiteres Sieb mit Bohrern öffnen ließen und einen 3,2 mm Bohrer nahmen. Da Darwin mittlerweile im OP war, konnte er gut den Bildwandler bedienen, so dass wir dann die 1. Seite fertig hatten, Verband anlegten und ich steril blieb um die 2. Seite abzuwaschen. Diese konnten wir dann geschlossen reponieren und alles ging dadurch zügiger. Alles in allem konnten wir zufrieden sein, wenngleich das mit der Sterilität doch mit den wenigen Abdecktüchern und dem ständigen Umschwenken des Bildwandlers doch sehr kritisch ist. Wir hoffen, dass er keinen Infekt bekommt, prophylaktisch setzten wir für 3 Tage eine Antibiose an. Danach wohlverdienter Lunchbreak… Klaus Flohr hat mir nochmal 150 MB Internetvolumen (600 KW) übertragen, da mein „bundle“ letzte Nacht ausgelaufen ist Nachmittags assistierte ich Darwin eine Amputation eines akzessorischen Zehs und ein Debridement eines fürchterlichen „tropicals ulcers“ , beides bei Kleinkindern. Unglaublich, wie die einfach in den OP watscheln, sich auf den Tisch heben lassen und Narkose geben lassen, ohne ein Weinen, Schreien oder Murren… 

Danach waren wir noch bei Dr. Mbeha und sprachen mit ihm, ob ein langfristiges Zusammenarbeiten denn gewünscht wäre. Dann müssten wir mit Darwin engen Kontakt halten, Osteomyelitisfälle oder auch Deformitäten müssten gesammelt werden, so dass die Teams dann diese in den Einsätzen auch gezielt behandeln könnten. Dr. Mbeha zeigt sich sehr begeistert darüber und Darwin wäre ein guter Kontaktmann. Wie vereinbarten, dass wir am Donnerstag nochmals einen kurzen Vortrag mit einem Handout während der Frühbesprechung halten.

Mi, 12.09.2018
Heute nach meinem üblichen Morgenlauf, Frühbesprechung, Ward round half ich Darwin im OP bei zunächst allgemeinchirurgischen Operationen, wir mußten dann jedoch unseren Plan stoppen, da es insgesamt 6 notfallmäßige Sectios gab! Reiner sah sich zunächst im Room 16, dem Verbandszimmer die Wunden an, wurde dann aber auch zu einer Gyn-OP gerufen, bei der es zu Verwachsungen mit dem Darm gekommen war. In der Mittagspause bereitete ich den Vortrag und das Hand-out für morgen vor, nachmittags war Flaute. Außer einer Hämorrhoiden-OP konnte nichts weiter gemacht werden, da es keine sterilen Kittel mehr gab! So gingen wir durch die Klinik und fotografierten, u.a. auch die Preisliste in der Notfallambulanz.

Do, 13.9.2018
Auch der heutige Tag verlief eher ruhig. In der Frühbesprechung hielt ich einen Vortrag über die Osteomyelitis bei Kindern mit Beispielen, z.B. von Gad aus Kibogora. Hatte auch ein Handout für alle vorbereitet Der Vortrag kam gut an, und ich denke damit ist schon klarer, dass bestimmte Fälle gesammelt werden. Danach im OP assistierte ich Darwin eine kindliche suprakondyläre Humerusfraktur, denke, nachdem er jetzt 2x die geschlossene Repositionsmethode assistiert bekam, wird er es auch in Zukunft so operieren. Dann war nur noch ein Abzeß am Knie zum debridieren. Andere Patienten, die noch geplant waren, sind nicht erschienen. Kommt wohl öfters vor … Auch hört man jeden Morgen bei der ward round, dass einige gegangen sind (z.B. die 2 Kleinkinder mit den schweren Verbrennungen), ohne dass die Behandlung abgeschlossen ist. Teilweise auch, weil es nicht mehr bezahlt werden kann. Für morgen nahmen wir heute noch 2 Kinder mit distaler Radiusfraktur auf. In Room 16 inzidierten wir außerdem unter Ketamingabe bei einem Mädchen einen Unterschenkelabzeß (der Knochen war im Röntgenbild nicht betroffen) und eine Hohlhandphlegmone. Beides hätte man zuhause wohl gleich im OP gemacht, aber die Kinder waren nicht nüchtern und mit dem Ketamin funktionierte das sehr gut. Das Kind mit der Hohlhandphlegmone muß trotzdem evtl. nochmal im OP nachdebridiert werden. Holten dann aus dem Store Room No 15 mal alle Unterarmgehstützen runter, damit sie den stationären Patienten zur Verfügung gestellt werden können. Heute abend werden wir nach dem Abendessen mit Marina, der luxemburgischen Hebamme nochmal ein Bier trinken.



Fr, 14.09.2018

Reiner ging heute mit in den OP, assistierte Darwin zunächst 2 distale Radiusfrakturen und wurde dann von Klaus Flohr, dem Gynäkologen in den Nachbarsaal gerufen. Dieser hatte wohl einen Ovarialtumor bei einer Frau erwartet, es stellte sich jedoch als zystisch veränderte Senkniere dar und Reiner hat nach 20 Jahren dann zum 1. Mal wieder eine Niere entfernt! Während dieses Vormittages war ich in Room 16 und führte einen Verbandwechsel nach dem nächsten durch. Ist auf die Dauer echt anstrengend, da man nicht mit den Patienten selber reden kann und zudem mit vielen Formalitäten (z.B. was vorher erst bezahlt werden muß, bevor es angeordnet werden kann) vertraut ist und Mattwes nicht immer greifbar ist. Das Kind mit der Hohlhandphlegmone sieht immer noch schlimm aus, so dass ich ein Debridement im OP empfahl. So ging ich dann nachmittags mit in den OP und assistierte Darwin diese OP und zuvor noch Einbringen von intramedullären Drähten bei einem 4 jhg. Jungen mit Unterarm-Fraktur. Reiner war diesmal im Room 16 und sah einen alten Mann mit Harnverhalt, wahrscheinlich bei Prostata-Ca, suchte dann im ganzen Haus einen suprapubischen Katheter – dabei fand man ihn ganz zum Schluß in einer Schublade in Room 16! Wir waren nach diesem letzten Tag irgendwie geschafft. Die Gasflasche im Haus war leer, so dass der Herd nicht funktionierte. Bitoni organisierte dann einen herkömmlichen Art „Grill“, der mit Kohle und Holz und Gras angemacht wird und kochte damit das Essen! Wir sind zum Schluss bis auf den letzten Kwacha abgebrannt, irgendwie haben wir mehr Geld als zuvor Erich und Michael gebraucht Mit Einkalkulation des Visums hat jeder von uns dann doch umgerechnet ca. 400 Euro verbraucht Abends waren wir zum Abschiedsbier bei Klaus Flohr und seiner Frau Katrin eingeladen. Marina kam auch noch vorbei. Sehr schöner Abend und nochmals das tolle afrikanische Firmament genossen. 

Sa, 15.09.2018
Sind früh aufgestanden, Reiner wollte eigentlich in den Gottesdienst, hatte aber verpasst, dass dieser am Wochenende später anfängt. Ich wollte nochmal die tolle Morgenstimmung einfangen und bin Richtung Namitete und zurück gelaufen.
Nach dem letzten Frühstück auf der Terrasse sind wir nochmal in die Klinik , haben die Visite mitgemacht und uns verabschiedet Dann kam Bitoni vorbei, er hat alles blank geputzt und wir haben ihm alle übrigen Lebensmittel gegeben, v.a. Fleisch war ziemlich viel übrig. Harold holte uns pünktlich ab und der Flieger in Lilongwe ging super pünktlich ab. Der liebe Bitoni hat mich sogar am Flughafen nochmal angerufen, um uns guten Flug zu wünschen! Die Rückreise völlig reibungslos.

Resümee:
Aus unserer Sicht besteht schon Interesse an einer langfristigen Verbindung und Darwin ist sicherlich jemand, mit dem man gut kommunizieren könnte und der uns auch Fälle sammeln könnte. Mitbringen sollte man vielleicht Antibiotikaketten oder AB-Vlies. Schwierig ist vor Ort sicherlich die schlechte Kommunikationsmöglichkeit mit den Patienten. Die Sprache ist nicht einfach zu lernen. Die clinical officers sind manchmal sehr flapsig und da ist einiges in der ambulanten Therapie gewöhnungsbedürftig. Die OP-Siebe sind einigermaßen und auch der Bildwandler funktioniert. Trotzdem weiterhin ratsam sich bei schwierigeren OPs vorher die Siebe anzuschauen.

Für ein nächstes Mal würden wir mehr Geld einkalkulieren, außerdem neben Geschirrtüchern, Kaffee, Toilettenpapier unbedingt Marmelade auch mitnehmen. Badetuch war guter Tip. Internet hier zu kaufen und eine Prepaid-SIM-Karte, die man in ein altes Handy reinlegen kann lohnt sich! Entweder am Flughafen erledigen oder bei Catryn.

Aber wir würden wiederkommen!!
Iris Schleicher & Reiner Wirbel

Dr. Michael Weber & Dr. Erich Feltes
St. Gabriels-Hospital, Malawi

So, 29.04.2018
Gestern Abend müde und erschöpft hier angekommen. Der Flug mit Ethiopian Airlines nach Addis Abeba war ganz angenehm, viel Platz im Flieger, dafür eher mäßiges Essen. Vorteilhaft war auf jeden Fall vorher online einzuchecken, erspart Wartezeit in Frankfurt beim Check-in. Man kann direkt zur Gepäckaufgabe gehen, wo die Schlange deutlich kleiner ist. Der Aufenthalt in Addis (ca. 3 Stunden) ist eher unbequem. Also entweder schnell eine der Liegen aufsuchen, bevor sie besetzt sind oder in einem Café Platz nehmen. Wenn’s denn sein muss, schnell die Toiletten aufsuchen. Später bilden sich riesige Schlangen.
Tipp für die Raucher: Beim Durchgehen durch die Sicherheitskontrolle in Addis werden die Feuerzeuge konfisziert. Also Ersatz im Koffer mitführen! Und noch was! Beim Passieren der Security wurde Erich der Geldbeutel gestohlen. Also nichts so in die Kiste legen, sondern alles, was wertvoll ist, in Taschen oder Jacken verstauen.

Nach der Landung in Lilongwe wird ein langwieriger Prozess der Immigration in Gang gesetzt. Zuerst Antrag zur Erstellung eines Visums ausfüllen. Dann in die Schlange zum Schalter „Visum beantragen“ stellen. Danach in die Schlange zum Schalter „Visum bezahlen“ anstellen, dann in die Schlange zum Schalter „Visum erhalten“ stellen und dann in die Schlange „Passkontrolle“ stellen. Kein Witz; ist so!
Tipp: Zettel holen, anstellen und in der Schlange stehend ausfüllen. Nach der Passkontrolle sollte man sich bevor man durch den Zoll geht in die Schlange „Geld wechseln“ stellen, denn draußen gibt es die Möglichkeit nicht mehr. Dann durch die Zollkontrolle gehen. Wenn man aufgefordert wird die Koffer zu öffnen, hilft der Hinweis, dass man Chirurg ist und freiwillige humanitäre Hilfe im St. Gabriel’s Hospital leistet. Das Krankenhaus ist in Lilongwe bekannt und nicht wenige sind dort geboren. Wir konnten nach diesem Hinweis passieren ohne die Koffer zu öffnen.

Noch im Flughafengebäude sollte man sich eine SIM-Karte für Malawi besorgen. Es gibt dort ein kleines Büro von Airtel, wo man eine kaufen kann. Für alle WhatsApp Benutzer reicht es sich ein Datenvolumen fürs Internet zu kaufen (ca. 5 – 10 GB). Damit kann man auch über WhatsApp nach Hause telefonieren (10 GB kosten 15.800 Kwacha = 18 €). Wer normal telefonieren möchte, muss sich zusätzlich noch Airtime Guthaben kaufen.

Der Fahrer des Krankenhauses wartet mit Namensschildern ebenfalls im Flughafengebäude. Man sollte, bevor man nach Namitete fährt, in Lilongwe unbedingt noch in dem Supermarkt „Shoprite“ oder gegenüber im „Chipiku“ einkaufen, was man so braucht für Frühstück, Mittagessen und den täglichen Bedarf. Unbedingt an Toilettenpapier denken. Im Guesthouse war nichts, als wir hier ankamen. Deshalb auch eigene Geschirrhandtücher und Spüllappen mitbringen. Auch ein eigenes Badehandtuch für alle Fälle ist sinnvoll einzupacken, denn nicht immer wird hier gewaschen. Jetzt war zum Beispiel die Waschmaschine kaputt. Was positiv zu erwähnen ist, dass man das Wasser aus dem Hahn trinken kann. Das Krankenhaus hat einen eigenen Brunnen, mit dem es auch das Guesthouse mit Wasser versorgt. Mittlerweile ist das Guesthouse auch an die Solarstromversorgung angeschlossen und Strom ist immer vorhanden. Das war letztes Jahr noch nicht so. Dennoch ist es wichtig eine Taschen- oder Stirnlampe mitzubringen für alle Fälle oder, wenn man abends noch einkaufen gehen möchte.  Ab 18 Uhr ist es nämlich hier stockdunkel. Am Wochenende stellt das Krankenhaus einen kostenfreien Transport nach Lilongwe zum Einkaufen zur Verfügung. Die Fahrt zum Flughafen nach Namitete dauert ca. 90 Minuten und nach Lilongwe ca. 1 Stunde.

Freitags abends zu fliegen hat den Vorteil, dass man sich am Sonntag noch von den
Reisestrapazen erholen kann. Kann jeder selbst entscheiden. Wir waren nachmittags noch zu Fuß in Namitete (50 min ein Weg). Lohnt sich eigentlich nicht. Einkaufen kann man auch in Namitondo (ca. 5 Minuten Fußweg vom Gästehaus entfernt)

Mo, 30.04.2018
Der erste Tag im Krankenhaus. War nicht ganz einfach und etwas holprig. Um 07.30 Uhr beginnt die Frühbesprechung. Alle Abteilungen berichten über die vergangene Nacht. Leider versteht man die sehr leise und schlecht englischsprechenden Diensthabenden nicht. Danach verlassen sie den Raum und Dr. Mbeya (Ärztlicher Direktor) bespricht mit den anwesenden Ärzten oder Clinical Officers medizinische Probleme von Patienten. Auch er ist schwer oder teils gar nicht zu verstehen. Vielleicht wird’s ja noch besser und wir können uns in das Malawi-Englisch der Einheimischen einhören.


Anschließend Visite bei allen chirurgischen Patienten auf Kinder-, Frauen- und Männerstation. Privatpatienten waren keine anwesend und auf Intensiv (HDU) lag auch keiner. Operieren wollten wir eigentlich ein Lipom, eine 2 Wochen alte kindliche Femurfraktur und eine Tibiaosteomyelitis. Nach der Versorgung der kindlichen Femurfraktur mit 2 Rush-Pins haben wir aber das OP-Programm abgebrochen, da es sich herausstellte, dass weder die anwesende OP-Schwester den BV bedienen
konnte noch brauchbare unfallchirurgische Knochensiebe zur Verfügung standen. Da die Femurfraktur bereits 2 Wochen alt war, musste sie offen reponiert werden.

Wir hatten weder Repozangen noch Hohmannhaken zur Verfügung. Keinen Pfriem zur Eröffnung der Markhöhle und viel zu wenig und zu kleine Abdecktücher. Deshalb haben wir die OP der Tibiaosteomyelitis verschoben. Im Store (Room 15) fanden wir dann schmutzig und unsteril Reste des Hoffmann II Fixateurs, den wir mit unseren mitgebrachten Teilen ergänzten und ihn zum Waschen und Sterilisieren in den Steri brachten. Morgen, am 01.05.2018 wollen wir uns mit einer erfahrenen OP-Schwester treffen um die orthopädischen Siebe zu optimieren, damit wir dann ab Mittwoch auch unfallchirurgisch/orthopädische Operationen durchführen können. Für diese besteht hier überhaupt keine Expertise und es gilt Pionierarbeit zu leisten. Hoffen wir, dass es gelingt und nachfolgende Teams davon profitieren können.

Wie von Dr. Goetzke versprochen hat der Koch Bintoni uns heute Abend eine warme Mahlzeit zubereitet, die sehr gut geschmeckt hat. Allerdings gibt es noch Klärungsbedarf, wer die Kosten für die dafür notwendigen Lebensmittel trägt.

Di, 01.05.2018
Der erste Mai ist auch in Malawi ein Feiertag, so dass heute kein Klinikalltag auf uns wartete. Wir waren aber um 09 Uhr 30 im Krankenhaus um uns im Store, im legendären Raum 15 der Pharmazie, umzusehen. Dort fanden wir, was wir suchten, und trafen uns anschließend mit OP-Sr. Judith. Endlich mal jemand, der sich mit unfallchirurgisch/orthopädischen Sieben auskennt. Sie zeigte uns Klein- und Großfragmentsiebe sowie Knochensiebe mit den entsprechenden Inhalten. Andere OP-Schwestern, die diesbezüglich kompetent sind, haben wir noch nicht getroffen.
Nachmittags haben wir mit unseren 2 Hunden (Leibwächter) einen Maiausflug zum Stausee gemacht. Insgesamt also ein ruhiger Tag in Namitete.



Mi, 02.05.2018
Für heute hatten wir 3 OP’s geplant und auch durchgeführt. Hört sich zunächst ganz gut an, war es dann auch, aber immer noch sehr holprig und schwerfällig. Warum? Heute stand uns nur ein Clinical Officer zur Verfügung, der die Patienten nur durch eine Übergabe kannte. Unfallchirurgische Operationen ohne instrumentierende Schwester durchzuführen endet auf dem Instrumententisch im kompletten Chaos. Es gibt zwar einen BV im OP, aber damit kennt sich keiner aus. Er funktioniert gut, aber das Bedienen durch die OP-Schwester ist äußerst schwierig. Das Personal befindet sich häufig nicht an seinem Arbeitsplatz und muss, wenn man es sprechen oder etwas fragen will, immer erst gesucht und gerufen werden. Sehr zuverlässig arbeitet die Anästhesie, die ausschließlich von Clinical Officers, also keine Ärzte, durchgeführt wird. Paipi, Ignasio und Thomas sind sehr gute und zuverlässige Anästhesisten. Insgesamt gestaltet sich deshalb das Arbeiten sehr mühevoll und langwierig. Mehr als 3 Operationen am Tag sind deshalb zum jetzigen Zeitpunkt nicht drin. Heute Abend sind wir deshalb nach „nur“ 3 OP’s trotzdem todmüde ins Gästehaus gewankt. Umso erfreulicher, dass man uns einen Koch zur Verfügung gestellt hat, der uns abends eine warme Mahlzeit zubereitet. Wir wären heute dazu nicht im Stande gewesen. Die Lebensmittel, die er dazu braucht, bezahlen zunächst wir, reichen die Rechnungen nach unserer Rückkehr aber an Dr. Goetzke, Generaldirektor der Zitha-Foundation, weiter.



Fazit heute:
OP-Schwester, die sich auskennt: Judith
Kooperative Anästhesisten: Paipi, Ignasio und Thomas
Zuverlässige Verwaltungssekretärin: Catherine
Unser Koch: Bintoni

Do, 03.05.2018
Heute war eher ein ruhiger Tag. Morgens Ambulanz und Verbandswechsel, nachmittags eine septische Kniespülung sowie langes Warten auf das Personal, welches es mit der Arbeitszeit nicht so genau nimmt. In der Mittagspause Einkaufen in Namitondo, ein kleiner Ort in der Nähe des Krankenhauses (Tomaten, Gurken und
Bier). Außerdem haben wir heute mit Catherine den Transport für Samstag nach Lilongwe zum Einkaufen klar gemacht (wird vom Krankenhaus bezahlt). Unser Koch fährt zum Einkaufen mit.



Fr, 04.05.2018
Heute war zum ersten Mal Dr. Darwin (Medical Officer = Assistenzarzt) anwesend. Das
erleichtert die Arbeit ungemein, da er uns bei Visite begleitet und übersetzen kann, Anweisungen ans Personal in Landessprache weitergeben und den Tagesablauf organisieren kann. So konnten wir heute 4 Operationen durchführen, allerdings nichts Großartiges: 2 Metallentfernungen, eine 3 Wochen alte dislozierte distale Radiusfraktur mit Spickdrähten nach Kapandji und eine PE aus einem Halstumor.
Mit den Röntgenkontrollen unserer bisherigen OP’s waren wir zufrieden. Übermorgen planen wir einen Tagesausflug zum Malawi-See, kostet 50 € Fahrzeugmiete, 30.000 Kwacha Benzin und 5.000 Kwacha für den Fahrer. Insgesamt ca. 88 € für eine Strecke von 250 km hin und zurück.



Sa, 05.05.2018
Heute waren wir in Lilongwe einkaufen. Fahrer und Auto hat das Krankenhaus gestellt. Mit dabei war unser Koch Bintoni. Aber es war chaotisch. Sehr viel Betrieb und wir waren an vier verschiedenen Stellen. Dennoch haben wir einige Dinge nicht finden können. Wir bekamen kein Vollkornbrot und keine ansprechenden Wurstwaren. Wer also dieses wabbelige Weißbrot, welches es hier gibt, nicht mag, sollte sich von zu Hause genügend eingepacktes Vollkornbrot mitbringen; ebenso Wurstkonserven in ausreichender Menge. Dr. Peter Nitschke hatte uns den Besuch des Craft Markets in Lilongwe empfohlen, leider war aber dafür keine Zeit mehr. Wer gerne afrikanische handwerklich hergestellte Kunstgegenstände erwerben möchte, sollte diesen Markt unbedingt besuchen. Verhandeln über den Preis ist eine Selbstverständlichkeit. Den Rest des Tages verbrachten wir bei schlechtem Wetter im Zitha Guesthouse.

So, 06.05.2018
Heute ging‘s um 07:30 Uhr los zum Malawi-See. Nach zweieinhalb Stunden Autofahrt über sehr gute Straßen waren wir am Ziel. Und es hat sich gelohnt. Im Hotel Sunbird am Livingstonia Beach verbrachten wir den Sonntag. Der See ist riesengroß und erscheint wie ein Meer. Es gibt auch Wellen wie am Meer, zumindest am Mittelmeer. Dazu einen tollen Sandstrand mit Palmen (wie im Reiseprospekt). Leider wehte wegen eines starken Windes die rote Flagge und Schwimmen war nicht erlaubt. Mittags konnten wir für 13500 Kwacha am Lunchbuffet teilnehmen, welches ganz lecker war. Bezahlen kann man dort mit Kwacha, Euro und US-Dollar. Um 15 Uhr ging’s dann wieder zurück. Unterwegs gibt es einen großen Gemüsemarkt, wo wir noch Tomaten einkaufen konnten. Wer länger dortbleiben möchte, kann schon samstags fahren und sich im Sunbird ein Zimmer mieten und dann sonntags zurückfahren. Dr. Peter Nitschke erwähnte, dass das abendliche Herausfahren der Fischer ein sehenswertes Ereignis sei.

Fazit nach einer Woche:
Schwieriges Arbeiten im OP: Sterilität?, zu wenig Abdecktücher, mangelhaftes
Instrumentarium, schlecht ausgebildetes OP-Personal (außer Sr. Judith)
• Wenig unfallchirurgisch/orthopädische Patienten, nur 2 Osteomyelitisfälle. Da hatten wir mehr erwartet.
• Dr. Darwin ist eine Bereicherung, da er sich auskennt und sehr engagiert ist.
• Bintoni kocht zwar jeden Abend für uns, er braucht aber pro Mahlzeit bestimmt einen halben Liter Öl.



Mo, 07.05.2018
Der Montag begann wie immer mit der Morgenbesprechung um 07:30 Uhr. Danach Visite auf allen chirurgischen Stationen. Auf der Männerstation fanden wir einen jungen Mann mit einer Oberschenkelquerfraktur in Schaftmitte mit einem zusätzlichen ca. 3 cm großen abgesprengten Fragment.



Eigentlich ideal für einen Marknagel. Nach der Visite gingen wir in den OP um uns nach der Möglichkeit einer Oberschenkelnagelung zu erkundigen. Auch Judith wusste uns hierüber nichts Genaues zu sagen. Da wir im „berühmten Store = Room 15“ aber viele Oberschenkelnägel gesehen hatten, gingen wir dorthin um uns alles Material für eine Marknagelung zusammenzusuchen. Wir fanden viele alte Grosse-Kempf Femurnägel und ein Sammelsurium von Tools, die eine improvisierte Femurnagelung erlauben könnten. Außerdem auch noch T2-Femurnägel und Verriegelungsschrauben in der passenden Länge. Allerdings konnten wir dafür kein
Instrumentarium entdecken. Dafür aber ein unvollständiges zur Implantation von T2-
Tibianägeln, welches zur Not auch auf die Femurnägel passen konnte, wenn man über
genügend Improvisationstalent verfügt. Mit all diesen Sachen gingen wir nun zum Steri um es sterilisieren zu lassen. In der Zwischenzeit hatte Sr. Judith im OP aber das
Implantationsinstrumentarium für den T2-Femurnagel gefunden, was uns die geplante Nagelung, die für morgen angesetzt wurde, doch erheblich erleichtern würde. Da es keinen Extensionstisch gibt, mussten wir uns über die Lagerung Gedanken machen. Ohne Extensionstisch in Rückenlage zu nageln ist nicht ganz einfach. Die Seitenlage aber bei fehlenden Lagerungsmaterialien schwierig zu bewerkstelligen. So entschlossen wir uns in Rückenlage eine retrograde Marknagelung durchzuführen und mussten deshalb nochmals in Room 15 um längere Verriegelungsschrauben zu suchen. Diese fanden wir auch und gaben sie
in den Steri. Dann ging’s in den OP, wo ich Dr. Darwin eine Leistenhernie assistieren wollte. Dieser wurde aber notfallmäßig in den Gyn-OP gerufen und ich musste die Hernie allein mit Sr. Judith operieren, da Erich in der Ambulanz beschäftigt war.
Die letzte Leistenhernie hatte ich 2012 in Ruanda operiert. Da es keine Netze gibt, habe ich sie in der Technik nach Shouldice versorgt. Hat auch ganz gut geklappt. Man verlernt doch weniger als man annimmt.

Nachmittags war dann nichts mehr los und wir konnten früh ins Guesthouse zurück. Aber morgen wird’s spannend, bin gespannt, wie der Femurnagel klappt.



Di, 08.05.2018
Was für ein Tag! Zunächst ging’s los wie immer. Erst Besprechung, dann Visite. Auf der Frauenstation lag eine junge Frau mit pertrochantärer Femurfraktur. Da wir nicht wussten, ob die DHS einsetzbar ist, planten wir die OP für morgen. Es ist auf jeden Fall ratsam sich vor einer größeren unfallchirurgischen OP die Instrumente und Implantate zeigen zu lassen, die danach nochmals sterilisiert werden müssen. Tut man das nicht, kann man böse Überraschungen während der OP erleben. Apropos Steri; Die Schwestern arbeiten dort eigentlich ganz ordentlich und auch sehr viel, aber unter welchen Bedingungen! In einem kleinen Raum stehen drei Sterilisatoren, zwei davon ihrer Außenhülle beraubt und funktionslos. Nur der dritte, ein älterer Autoklav, funktioniert noch. Alles, was sterilisiert werden muss, muss da durch und das ist nicht
wenig, wenn man vor jeder OP die Siebe inspizieren muss. Diese haben keine Zeit zu
trocknen. Oft bekamen wir OP-Kittel, die noch triefend nass waren oder zu mindestens sehr feucht.



Danach begaben wir uns in den OP um den geplanten Femurnagel zu operieren. Zu unserer Überraschung hatte sich Dr. Darwin aber gleichzeitig eine Leistenhernie
in den anderen OP bestellt. Sein Interesse an der Unfallchirurgie ist also eher begrenzt. So mussten wir beide allein und ohne instrumentierende OP-Schwester auskommen. Mit der Lagerung haperte es auch dann gleich. Der OP-Tisch konnte nicht so eingestellt werden, dass das rechte Knie und die rechte Hüfte etwa 60° gebeugt werden konnten. Also suchten wir uns einen Lagerungsgegenstand im Gipsraum, den wir mit einem zusammengerollten OP-Kittel unter den Oberschenkel legten. So war eine annähernd passende Lagerung möglich, aber äußert wackelig. Die Abdeckung war kein Problem, da wir ein Lochtuch-Einmalset benutzten, welches ich von zu Hause mitgebracht hatte. Mit dem dazugehörenden Tischbezug konnten
wir auch den BV steril abdecken. Solche Einmalabdecksets von zu Hause mitzubringen, ist sehr sinnvoll, da man hier normalerweise nur ein Lochtuch pro OP bekommt. Für Knochen-OP’s gibt uns Judith auf unser Verlangen hin jetzt immerhin 2 Lochtücher, die aber für große Knochen-OP’s bei Weitem nicht ausreichen. Dann wurde das T2- Femur-Tray geöffnet und die 3 Teile auf unseren Instrumententisch gestellt, der damit vollständig überladen war. In diesem Tray entdeckten wir die am Tag zuvor aus dem Store sicher gestellten Bohrleitspieße, die von den Leuten im Steri so gebogen waren, dass sie in diese T2-Femurkisten passten. Wir hatten zunächst die allergrößte Mühe diese wieder so gerade zu biegen, dass Markraumbohrer und
Nagel wieder darüber passten. Zusätzlich musste noch das Sieb „Markraumbohrer“
aufgemacht werden. Nach der Eröffnung des Markraumes im Bereich des Kniegelenkes (wir beabsichtigten ja eine retrograde Nagelung) konnten wir das distale Fragment mit Handmarkraumbohrern aufbohren. Die Reposition der Fraktur gestaltete sich jedoch außerordentlich schwierig, da einer von uns die Reposition halten musste, der andere sich aber jedes Instrument selbst aus den Sieben holen musste. Gleichzeitig hatte die anwesende unsterile Schwester die größten Schwierigkeiten den BV nach unseren Wünschen zu bedienen. Das Bild auf dem Monitor stand auf dem Kopf und die OP-Schwester wusste nicht, wie man das ändern kann. Erst durch die Manipulation des distalen Fragmentes mit der auf dem Sieb befindlichen Repositionshilfe gelang es mir den Bohrleitspieß in das proximale
Fragment zu platzieren. Nun sollte die komplette Aufbohrung des Markraums erfolgen. Für die Akku-Maschine fehlte aber ein entsprechender Ansatz und der Handgriff, welcher einen passenden Ansatz hatte, war nicht durchbohrt, so dass wir mit unseren Markraumbohrern über den Spieß gar nicht in den Markraum gelangen konnten. Wir entschlossen uns also notgedrungen zu einer ungebohrten Nagelung. Nachdem der Nagel ans Zielinstrument fixiert war, gelang es uns relativ problemlos ihn bis knapp über die Fraktur zu bringen. Dann begann aber die engste Stelle im Markraum, die ja nicht aufgebohrt werden konnte. Wir hatten den dünnsten vorhandenen Nagel mit der entsprechenden Länge gewählt und doch mussten wir
ihn jetzt mit kräftigen Hammerschlägen vorantreiben. Und es passierte natürlich, was
passieren musste. Ca. 3-4 cm distal des Trochanter minor entstand eine neue Fraktur. Ich führte den krummen Bohrleitspieß nochmals ein um damit diese Fraktur zu überqueren. Da die engste Stelle überwunden war und der Markraum ja im Trochanterbereich breiter wird, schlug ich den Nagel weiter ein, bis beide Verriegelungslöcher jenseits dieser neuen Fraktur lagen.



Gott sei Dank ist sie nicht weiter aufgegangen. Die distale Verriegelung über die Ziellehre und die proximale in Freihandtechnik waren dann kein Problem mehr und die Fraktur hatte sich gut eingestellt. Aber kaum war die letzte Verriegelungsschraube gesetzt, knickte die Beinplatte, auf der das zu operierende Bein lag, weg und konnte auch während der OP nicht mehr fixiert werden. Wir mussten zum Zunähen das linke Bein auf das rechte legen. Nach ca. zweieinhalb Stunden war der „Spaß“ vorbei und wir ziemlich groggy. Unter unseren Bleischürzen waren wir so nass, als wären wir mit ihnen durch den ganzen Malawi-See geschwommen. Wir hatten eine kleine Mittagspause verdient. Aber bevor es soweit war, zeigte man uns noch 2 Patienten. Ein Mädchen mit chronischer rezidivierender Oberschenkelosteomyelitis, die wir auch morgen operieren wollten und Bilder einer kompletten Unterschenkelfraktur in
Schaftmitte mit Fraktur von Tibia und Fibula in gleicher Höhe, also sehr instabil. Da bei dieser Frakturform oft ein Kompartmentsyndrom vorliegen kann, ließen wir uns den Patienten auf Station noch zeigen. Er hatte maximale Schmerzen und der rechte Unterschenkel war prall und druckschmerzhaft. Also veranlassten wir die notfallmäßige Versorgung mit Fixateur externe und Kompartmentspaltung sofort nach unserer kurzen Mittagspause, die wir dringend nötig hatten. Als wir danach wieder im Krankenhaus eintrafen, war der Patient noch nicht im OP. Die Anästhesisten wollten ihn aber sofort bestellen, aber die Schwester auf Station weigerte sich ihn zu bringen, da sie angeblich davon nichts gewusst hätte und er nicht vorbereitet sei.



That’s Africa!! Wir mussten also nochmals selbst hin und ihr erklären, dass es sich um einen dringlichen Notfall handelt und der Patient jetzt sofort in den OP müsse.Danach war sie einsichtig und hat ihn zum OP gefahren. Dort haben wir die Fraktur geschlossen reponiert und mit einem blauen Mono-Tube (Fa. Stryker) stabilisiert. Danach führten wir eine komplette bilaterale Fasciotomie durch und dann war Feierabend.



Mi, 09.05.2018
Auch heute war wieder viel zu tun. Dr. Mbeya, der ärztliche Direktor, befindet sich im Urlaub und deshalb war die Besprechung nur sehr kurz. Die Visite dafür um so länger, da es viele neue Patienten auf den Stationen gab. Außerdem hat sich Dr. Darwin krankgemeldet. Ich will nur von den unfallchirurgischen Patienten berichten.
Da war zunächst noch Mal eine laterale Schenkelhalsfraktur bei einer 80jährigen Frau, die mit einer DHS zu versorgen war und ein 15jähriger Junge mit einer weit islozierten Aitken 1 Fraktur des distalen Femurs rechts. Als wir im Steri die Siebe der DHS inspiziert hatten, fiel uns auf, dass die beiden Handmarkraumbohrer, die wir zum Markraumdebridement der chronischen Femurosteomyelitis eines jungen Mädchens brauchten, nicht mit den übrigen im Sieb „Medullary Reaming“ sterilisiert wurden, sondern noch unsteril im Steri lagen. Deshalb verschoben wir diese Operation und begannen mit einem Lipom am Hinterkopf einer älteren Frau. Danach waren auch die beiden Handmarkraumbohrer steril und wir konnten die Osteomyelitis operieren. Bevor es in die hier am St. Gabriel’s Hospital zweieinhalbstündige Mittagspause ging, vereinbarten wir mit dem Anästhesisten Ignacio mit der Aitken 1 Fraktur wirklich pünktlich um 14:30 zu beginnen. Dies gelang für afrikanische Verhältnisse auch recht gut. Um 15 Uhr konnten wir mit der OP anfangen. Leider erfüllte sich unsere Hoffnung
auf eine geschlossene Reposition nicht und wir mussten offen reponieren. Dazu waren wieder Knocheninstrumentarien nötig, die aber von Sr. Judith problemlos beschafft werden konnten. Sie ist wirklich ein Lichtblick hier im OP und wäre eine vortreffliche OP-Leitung. Wenn man ihr dann auch noch eine Weiterbildung zur OPSchwester mit Instrumentenkunde, Hygienefortbildung und Sterilisationskunde ermöglichen würde, wäre es um den OP im St. Gabriel’s Hospital deutlich besser bestellt als jetzt. Nach dieser Operation zeigte man uns die nächsten Fälle. Einmal eine dislozierte kindliche Unterschenkelfraktur und eine Radiusschaftfraktur, ebenfalls disloziert. Langsam wird es also eng alles noch vor unserem Rückflug zu erledigen. Das Kind planten wir morgen in Narkose zu reponieren und einzugipsen, und den Radius wollen wir am Freitag verplatten. Anschließend begannen wir unsere letzte OP für heute. Wegen Pin-Infekten mussten bei unserem ersten Fixateur 2 Pins umgesetzt werden. War keine große Sache und gegen 17:30 war Schluss.

Do, 10.05.2018
Auch für heute hatten wir uns ein großes Programm vorgenommen. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Nach der Frühbesprechung begannen wir unsere Visite auf der chirurgischen Kinderstation. Hier sahen wir als erstes den Jungen mit einer distalen Unterschenkelfraktur, dessen Rö-Bilder wir gestern zwischen 2 OP’s schon kurz gesehen hatten. Ihn wollten wir heute als erstes geschlossen reponieren und eingipsen. Beim näheren Betrachten der Bilder sahen wir aber bereits eine deutliche Callusbildung. Auf Nachfrage stellte sich heraus, dass die Fraktur bereits 2 Monate alt war. Das hatte man uns gestern nicht mitgeteilt. Also wurde er abgesetzt und für Freitagnachmittag geplant. Bei der OP-Planung muss man hier nämlich auch die vorhandenen Ressourcen berücksichtigen. Wir können nicht 2 Nägel, 2 Plattenosteosynthesen oder 2 Fixateure an einem Tag machen, da die Siebe nur einmal vorhanden sind und die Kapazität im Steri aus den besagten Gründen sehr eingeschränkt ist. Für heute Vormittag hatten wir die Versorgung
einer pertrochantären Femurfraktur mit DHS geplant. Letztendlich gelang uns das auch ganz gut, natürlich nur mit dem hier selbstverständlichen Chaos auf den Instrumententischen. Für nachmittags war die Plattenosteosynthese einer Radiusschaftfraktur geplant. Diesen Patienten hatten wir bei Visite aber nicht gesehen. Auf Nachfragen sagte man uns, dass er einen Gips bekommen habe und nächste Woche wiederkomme. Die Kommunikation unter und zwischen den medizinischen Berufsgruppen lässt erheblich zu wünschen übrig. Des Weiteren vermissten wir ein Kind mit einer distalen Tibiaosteomyelitis, welches auf Station
nur als Abszess geführt wurde. Wir wollten schon seit Tagen die Weichteile beurteilen, man hat sie uns aber nie gezeigt und jetzt war das Kind entlassen. Wobei Entlassungen auch sehr oft auf Drängen der Patienten oder deren Angehörigen erfolgen, weil die Patienten die Behandlungskosten nicht tragen wollen. So hatten wir denn heute Nachmittag auf Grund der besonderen Umstände komplett frei, da erstens keine OP‘s und keine unfallchirurgischen Patienten in der Ambulanz vorhanden waren. Nachdem wir uns im Röntgen-Raum noch einige Bilder angeschaut hatten, gingen wir ins Guesthouse zurück. Über das Verschwinden der beiden oben erwähnten Patienten habe ich mich doch sehr geärgert. Beide hätten noch operiert werden müssen und nur wegen kommunikativer oder finanzieller Unzulänglichkeiten, müssen die Patienten wohl mit einem schlechteren Ergebnis vorliebnehmen. Nun, hier in Afrika ist es nun mal so, wie es ist. Ob man an diesen Strukturen etwas ändern kann, steht in den Sternen. Im Guesthouse angekommen, erreichte uns die nächste Überraschung. Es gab plötzlich kein fließendes Wasser mehr. Bintoni brachte in
großen Eimern Wasser zum Kochen herbei, so dass wir davon wenigstens zum Zähneputzen etwas abbekommen konnten.



Fr, 11.05.2018
Auch heute Morgen gab es noch kein Wasser. Duschen fiel also aus. Im Krankenhaus
informierten wir Catherine darüber und sie wollte sich darum kümmern. Bei der Visite sahen wir 2 Männer mit Verdacht auf Radiusfraktur, eine davon stand klinisch schon ziemlich disloziert. Geröntgt waren sie noch nicht. Wir ordneten eine Röntgen-Aufnahme des Handgelenkes in 2 Ebenen bei beiden an und dass sie nüchtern bleiben sollten. Dann ging’s in den OP zur Versorgung einer lateralen Schenkelhalsfraktur bei einer 80jährigen Patientin mit DHS. Das ging heute viel schneller als gestern, da wir die Eigentümlichkeiten der Siebe bereits kannten.
Außerdem war die Fraktur leichter und geschlossen zu reponieren. Nach 90 Minuten waren wir fertig und das Ergebnis exzellent. Anschließend ging ich in die Röntgen-
Abteilung um mir die Bilder der Radiusfrakturen anzusehen. Eine war unverschoben und brauchte nur einen Gips, die andere sehr instabil und disloziert. Diese wollten wir nachmittags mit Kirschnerdrähten versorgen. Mittlerweile war auch Erich im OP fertig und wir gingen zur chirurgischen Männerstation um unsere Anordnungen für die beiden Frakturen zu geben. Beide waren aber schon entlassen. Die unverschobene Fraktur hatte man übersehen, die andere eingegipst und nach Hause geschickt. Die Clinical Officers handeln hier oft selbstständig ohne ärztliche Rücksprache. Sie sind ja auch oft genug die einzigen, die da sind. So entstehen aber krasse Fehlentscheidungen. Bei Visite stehen sie oft abseits, reden miteinander oder spielen mit ihren Smartphones und bekommen unsere Entscheidungen nicht mit. Wir waren hierüber sehr verärgert, was Erich ihnen auch mitgeteilt hat. Ändern können wir aber daran jetzt nichts mehr. Morgen fliegen wir nach Hause und in 2 Wochen kann man nicht Strukturen verändern, die seit Jahren gewachsen sind. Ärgerlich bleibt’s trotzdem. Danach besuchten wir zum wiederholten Mal Room 15 um uns geeignete Platten für die Umstellungsosteotomie am Nachmittag zu besorgen. Wir wurden fündig und übergaben dem Steri einige Kleinfragment Kleeblattplatten, die wir für geeignet hielten. Danach war die lange malawianische Mittagspause angesagt. Zu unserer Freude floss auch wieder Wasser aus den Hähnen. Nach der Mittagspause operierten wir den Jungen mit der mehr als 2 Monate alten und dislozierten distalen
Unterschenkelfraktur. Wir mussten Tibia und Fibula osteotomieren, anschließend konnten wir die Valgusstellung der Tibia korrigieren und versorgten die Tibia mit einer
passenden und zurechtgebogenen Kleeblattplatte. Das Ergebnis war sehr gut und
wir waren auch zufrieden. Das Chaos, welches wir auf dem Instrumententisch hinterlassen hatten, war unbeschreiblich. Dann verabschiedeten wir uns von allen, die noch da waren, und gingen ins Guesthouse, wo Bintoni uns unser letztes Abendessen zubereitet hat. Und Morgen? Geht’s „Nix wie hemm“

Sa, 12.05.2018
Lange habe ich mir überlegt, ob ich auch etwas über unsere Heimreise schreiben sollte. Sie war aber so turbulent, dass ich mich entschlossen habe doch davon zu berichten. Wir hatten uns bereits gestern online eingecheckt, aber dann erfuhren wir per Mail, dass unser Flug um 3 Stunden nach hinten verschoben wurde und nicht über Blantyre sondern direkt nach Addis Abeba gehen sollte. Das fanden wir zunächst eher positiv. Weniger Zeit im Flieger dafür 3 Stunden mehr Zeit, die wir in Lilongwe verbringen wollten. Wir starteten wie geplant um 9 Uhr und ließen uns zum Craft Market fahren, wo wir noch einige Mitbringsel und Andenken an Malawi kaufen konnten.



Wie in Afrika üblich, überfielen uns die Händler mit ihren Waren und ließen uns keine Zeit uns in Ruhe umzusehen. Dennoch fanden wir einige schöne Stücke, die wir nach zähen Verhandlungen für den Bruchteil des ursprünglichen Kaufpreises erwerben konnten. Danach fuhren wir, auf Empfehlung von Dr. Peter Nitschke, ins „Four seasons“, wo wir nochmals in etwas nobleren Shops einkaufen und in einem Restaurant etwas essen konnten. Anschließend ging‘s zum Flughafen, wo wir ohne Wartezeit und Stress unser Gepäck aufgeben und unsere Bordkarten empfangen konnten. Da wir den Rückflug auf Business Class upgegradet hatten, durften wir auch in der Business Lounge warten. Nachdem wir uns zur Boarding Zeit durch die Sicherheitskontrollen am Gate eingefunden hatten, erfuhren wir, dass unser Flug sich unbestimmte Zeit verspäten würde. Wir hatten in Addis ungefähr 2 Stunden Wartezeit, also viel länger sollte die Verspätung nicht dauern. Wir begannen uns Sorgen um den Anschlussflug zu machen, hatten aber keine Alternative als einfach abzuwarten, was passiert.



Letztendlich starteten wir 18:30 Uhr anstatt um 16:40 Uhr. Es konnte also in Addis sehr knapp werden. Nach einer unendlich langen Wartezeit im Bus saßen wir dann irgendwann endlich im Flieger. In Addis landeten wir zwar dann so, dass wir theoretisch den Anschlussflug bekommen konnten, aber bis das Flugzeug von der Landebahn schließlich an der Parkposition war, verging eine halbe Ewigkeit und eine weitere bis man die Gangway an den Flieger angeschlossen hatte. Aus dem Flieger wieder in einen Bus und warten, bis alle drin waren, dann langsam zum Terminal. Dort im Sprint zum Abflug-Gate, vorher noch durch die Sicherheitskontrolle, dann eine Etage nach unten, vorbei an wartenden Menschen, die uns die Knochen verfluchten, weil wir vorbei drängten und eigentlich war der Flieger schon seit 10 Minuten in der Luft. Aber er hat auf uns gewartet und ein weiterer Bus brachte uns zur Maschine, aber ich war fix und alle, völlig außer Puste, nass geschwitzt und mit den Nerven am Ende. Nach einem ruhigen Flug, wo wir auch etwas schlafen konnten, sind wir dann pünktlich um 05:30 Uhr in Frankfurt gelandet. Hier ging alles seinen routinierten Gang. Dass wir bei der Aktion in Addis Abeba in Frankfurt unser Gepäck in Empfang nehmen würden, hatten wir eigentlich nicht erwartet und begaben uns gleich zum Schalter „Gepäckermittlung“. Der Mitarbeiter dort sagte uns aber, dass, wenn es beim Umsteigen eng würde, das Gepäck eher ankäme, als wenn man 5 Stunden warten müsste. Wir sollten zum Gepäckband gehen. Wir glaubten ihm kein Wort. Welche Überraschung! Als zweites Gepäckstück kam mein Koffer, dann die beiden von Erich und kurze Zeit später mein zweiter Koffer. Also Ende gut, alles gut. Erich ließ sich vom Airportparker abholen und ich setzte mich in den Zug nach Bad Sobernheim um meine kleine Prinzessin, mein erstes Enkelkind, nach 2 Wochen wiederzusehen.

Erich Feltes & Michael Weber


Dr. Michael Weber & Dr. Erich Feltes
Kibogora-Hospital, Ruanda

Während unserer Einsatzzeit im Kibogora-Hospital wurden wir, Dr. Erich Feltes und Dr. Michael Weber, erschreckend oft mit einem furchtbaren Krankheitsbild bei Kindern konfrontiert, wie wir es aus unserer beruflichen Erfahrung aus Deutschland bisher nicht kannten, der chronischen, hämatogenen Osteomyelitis. Wir haben grauenvolle Bilder gesehen, wie zum Beispiel bei der 5jährigen Valentine, die mit einem nach außen durchspießten Unterarmknochen nach 6 Wochen in die Ambulanz des Kibogora-Hospitals kam.


Oder Daniel, dessen rechter Schienbeinknochen durch die Entzündung im mittleren Teil völlig „weggefressen“ war.

 

Die chronische Osteomyelitis ist eine chronische Entzündung der Knochen und führt, ohne adäquate Behandlung, zur Zerstörung des betroffenen Skelettabschnitts und zu schweren Behinderungen und wahrscheinlich auf Grund septischer Komplikationen zum Tod der Kinder. Die Kinder leiden unter starken Schmerzen und unter erheblichen Funktionsstörungen der betroffenen Extremität, bis hin zur Bewegungsunfähigkeit. Ein Leben unter diesen Bedingungen wird nicht nur für die Kinder, sondern auch für ihre Angehörigen zur Qual.

Da wir während unserer Aufenthalte in Ruanda keine Erwachsenen mit diesem Krankheitsbild gesehen haben, und da wir wissen, dass die chronische Osteomyelitis ohne adäquate Behandlung nicht spontan zur Ausheilung kommt, nehmen wir an, dass die betroffenen Kinder irgendwann an einer septischen Komplikation ihrer Krankheit sterben. Um diesen „Teufelskreis“ zu durchbrechen, ist es dringend erforderlich ein Behandlungskonzept zu entwickeln, in das alle ärztlichen und pflegerischen Teams einbezogen werden, und zwar die einheimischen ebenso wie die ausländischen Teams. Die konsequente Behandlung dieser schrecklichen Krankheit ist sehr aufwändig und langwierig und bedarf deshalb eines nachhaltigen Konzeptes, das alle Teams mit einbezieht, von allen akzeptiert und konsequent umgesetzt wird. Dass eine adäquate und konsequente Therapie erfolgreich sein kann, zeigt das Beispiel Gads, der erstmals von Prof. Griss und Dr. Feltes im August 2011 gesehen und behandelt wurde. Auch er zeigte eine durch die Entzündung zerstörte Tibia mit eitriger Fistelung.

Prof. Griss und Dr. Feltes entfernten radikal den Sequester der rechten Tibia und die Entzündung kam zur Ausheilung, allerdings unter einem erheblichen Knochenverlust, der eine Rekonstruktion des Schienbeins erforderlich machte.

Zufällig sahen wir Gad im Februar 2013 wieder. Die Osteomyelitis war ausgeheilt, das rechte Bein aber auf Grund der fehlenden Tibia völlig instabil. Ein normales Gehen somit nicht möglich. Gemeinsam mit Priv. Doz. Iris Schleicher, die uns damals begleitete, ersetzten wir die fehlende Tibia durch einen sog. „Fibula-pro-Tibia“ Transfer.

 
Als wir im September 2014 erneut im Kibogora-Hospital arbeiteten, erzählte man uns, dass Gad ganz normal und ohne Gehstöcke gehen könne. Auf unser Bitten hin, wurde er zu einer erneuten Untersuchung ins Krankenhaus einbestellt und wir konnten uns selbst davon überzeugen, dass die Operation erfolgreich verlaufen war. Gad hatte reizlose, entzündungsfreie Weichteile, keine Fistel, konnte frei und ohne Schmerzen gehen. Das Röntgenbild zeigte, dass die Fibula komplett anstelle der Tibia eingeheilt war. Auch die entnommen Fibula hatte sich zu unserer Überraschung fast vollständig neu gebildet.

Dieses Beispiel zeigt, dass eine erfolgreiche Therapie der chronischen Osteomyelitis möglich ist. Es zeigt aber auch, dass die Behandlung sehr komplex und schwierig und vor allem sehr langwierig ist. In diesem Fall ist alles gut gegangen, hing aber an vielen glücklichen Zufällen. Damit wir auch die vielen anderen Kinder adäquat behandeln können, bedarf es eines gut strukturierten Behandlungskonzeptes mit Einbeziehung aller Teams vor Ort.